Reinhard Zielonka – Fotografie

Wo es hingeht mit der Landwirtschaft, das zeigen die Bilder von Reinhard Zielonka. Er hat seinen Arbeiten den Text eines Volksliedes vorangestellt, dass Sie alle kennen:

"Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt/ er setzt seine Felder und Wiesen instand/ er pflüget den Boden, er egget und sät/ und rührt seine Hände früh morgens und spät." Das Volkslied stammt aus Böhmen, etwa aus jenen Jahren, in denen Theodor Storm seinen Schimmelreiter schrieb, um 1880.

Ist es romantisch? Ist es ironisch, das zu lesen, wenn man dann Zielonkas Bilder anschaut? Auf ihnen ist weder Bauer noch Rösslein zu sehen. Sie zeigen vielmehr eine ganz anderes Landleben, eine andere Landwirtschaft, eine industrialisierte Landwirtschaft mit riesigen Maschinen, mit Silos, mit Stromkabeln, mit Biogasanlagen. Sah man bei Wolfgang Meyer-Hesemann noch Bilder, die Grün-Studien, Farbstudien und botanische Tiefenbohrungen gleichermaßen waren, Grün in allen Tönen, Gräser in allen Variationen, unübersehbare Vielfalt auf einem Quadratmeter, so sieht es bei Zielonka anders aus:

Rotkohl stößt auf Wirsing,

Raps auf Mais - soweit das Auge des Fotografen reicht.

Nichts anderes mehr. Felder sind hier eigentlich kein Leben mehr, sondern Plantagen, Zielonka sagt "Wüsten" dazu.

Reinhard Zielonkas Bilder sind Gegenbilder zu Meyer-Hesemanns, zwei Seiten ein-und-derselben Medaillie. Wie der bildkünstlerische Ausdruck zu dem Satz, den uns in seiner ganzen Tragweite und Komplexität aktuell Landwirtschaftsminister Robert Habeck immer wieder vor Augen stellt und mit dem große Teile der Gesellschaft, der Politik, der Verbraucherinnen und Verbrauchen sich offenbar abgefunden haben, mit dem "wir" uns offenbar abgefunden haben: "Wachse oder weiche".

Auf seiner Wanderung hat Meyer-Hesemann die Landschaft, die Landwirtschaft gesehen und erkundet, der nichts anderes übrigblieb, als zu weichen.

Reinhard Zielonka zeigt uns nun das Wachsen: Oder besser: Produzieren. Riesige Traktoren, riesige Sämaschinen, Spritzmaschinen, Mähmaschinen. Und das Korn kommt dann nicht mehr zum Müller, sondern in die riesigen Silos, die wie Raketensilos, wie Raumschiffe in der Landschaft stehen. Und dann kommt irgendwann der LKW von der Getreide AG und holt die Ernte ab.

Getreide AG: Hier hat Zielonka seine Kritik zeichenhaft in einem Motiv verdichtet, denn wer assoziiert da nicht sofort die unfassbare weltwirtschaftliche Entwicklung, Lebensmittel zu Spekulationsobjekten zu machen?

Reinhard Zielonkas Bilder sind plakativ und sie sind doch doppelbödig, sie geben ihre tiefere Botschaft erst auf den zweiten Blick preis.

Als ich mir in der letzten Woche die Bilder hier angeschaut habe, wirkte die Ausstellung in mir noch nach.

Ich war irgendwie melancholisch gestimmt.

Ich dachte: So kann es doch nicht weitergehen mit unserer Landwirtschaft und mit unserer Landschaft. Wer es gut meint mit Schleswig-Holstein, der muss an den großen landwirtschaftspolitischen Stellschrauben drehen.

"Landleben" verspricht die Ausstellung zu zeigen. Und ich dachte: Richtiges Land-Leben ist auf den Bildern nicht zu sehen.

So habe ich die Fotoarbeiten von Wolfgang Meyer-Hesemann und Reinhard Zielonka für mich in erster Linie als Fragen verstanden, Fragen, die mit fotokünstlerischen Mitteln gestellt sind.

        Frank Trende, geb. 1963, Autor zahlreicher Beiträge und Bücher zur schleswig-holsteinischen Landeskunde und regionalen Kulturgeschichte,
anlässlich der Ausstellung „Landleben“ gemeinsam mit Wolfgang Meyer-Hesemann


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